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Die wahrhaft coolen Killer von Chester Himes

by - 5. Juli 2010

Da ich nicht weiß, ob das Hörspiel trotz offizieller Befristung auch noch nach dem 8. Juli hier downloadbar ist, muss ich noch schnell die Empfehlung dafür zusammenschustern. Der Krimi „Die wahrhaft coolen Killer“ hat es mir irgendwie angetan. Die Story war mir hinreichend verschnörkelt und undurschaubar. Die Charaktere agierten recht komplex, auch wenn manchmal sehr stereotyp.
Was mir aber am meisten gefallen hat war, dass ich ohne, dass es mir bewusst wurde, ich da wirklich eine amerikanische Szenerie mit amerikanischen Charakteren vor mir sah. Und nicht nur deutsche Sprecher, welche amerikanischen Figuren eine deutsche Stimme verpassen. Deshalb hier diese Krimi-Empfehlung.

Der SWR hat auch noch ein Making-Of auf seiner Seite hinzugefügt. Und ja (wer erkennt das nicht), das ist Martin Semmelrogge, der da den Erzähler gibt.

Die wahrhaft coolen Killer
Aus dem Amerikanischen von Alex Bischoff
Erzähler: Martin Semmelrogge
Coffin Ed: Engelbert von Nordhausen
Grave Digger: Udo Schenk
Sonny Pickens: Ferdinand Dörfler
Scheich: Martin Bross
Sissie: Linda Olsansky
Sugartit: Effi Rabsilber
Komposition: Carsten Meyer
Hörspielbearbeitung und Regie: Martin Heindel
Produktion: SWR 2010 – Ursendung
Länge: 54 Minuten

Die Story: An der Theke steht ein Mann, ein Weißer. Er ist zur falschen Zeit am falschen Ort; auf eine Messerstecherei folgt eine wilde Flucht. Ein Schuss löst sich, und der Weiße liegt tot auf der Straße. Für die beiden Cops Grave Digger Jones und Coffin Ed ein klarer Fall. Doch dann stellt sich heraus, dass die vermeintliche Tatwaffe nur eine Schreckschusspistole ist. Im Handgemenge verliert Coffin Ed die Nerven und erschießt einen Schwarzen. Er wird vom Dienst suspendiert, und Grave Digger gerät allein zwischen die Fronten. Er löst den Fall mit einer Methode, die in keinem Gesetzbuch vorgesehen ist.

Chester Himes, (1909-1984) geboren am 29. Juli in Jefferson City/Missouri. 1927 kam er als schwarzer Student an die Ohio State University, musste das Studium jedoch wegen krimineller Delikte abbrechen. 1928 verübte er einen bewaffneten Raubüberfall und wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Schon im Gefängnis schrieb er Kurzgeschichten, 1936 wurde er vorzeitig entlassen. 1940 zog Chester Himes nach Kalifornien und arbeitete in der Werftindustrie. Seine Erfahrungen in der Arbeitswelt, mit Rassismus, den Gewerkschaften und kommunistischen Aktivitäten schlugen sich in seinen ersten Romanen nieder. Von verschiedenen Seiten erntete er jedoch herbe Kritik.

Himes fühlte sich in den USA missverstanden. Seine erste Ehe scheiterte. 1953 ging er nach Frankreich. Er hatte kein Geld, konnte kaum Französisch und bewegte sich unsicher durch die Literaturszene. Marcel Duhamel, der beim französischen Verlag Gallimard die renommierte »série noir« herausgab, überredete Himes 1957 zu seinem »Harlem Zyklus«, obwohl Himes Harlem kaum kannte.

1958 gewann »A Rage in Harlem« (»Die Geldmacher von Harlem«) als erster Titel eines englischsprachigen Autors den »Grand Prix de la Littérature Policière«. Nun wurde Himes in Europa als Kult-Autor gefeiert. In den USA hingegen konnte er sich überhaupt nicht durchsetzen. Nur aus einem einzigen seiner zahlreichen Krimis, »Cotton comes to Harlem«, wurde ein (nicht allzu erfolgreicher) Kinofilm. Mit seiner zweiten Frau, die er 1978 heiratete, lebte Chester Himes bis zu seinem Tod 1984 in Spanien.
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