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Außer Kontrolle. Doping im Fußball – ein Feature von Lorenz Rollhäuser

by - 16. Juli 2010

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Features, und deshalb hab ich diese auch noch nicht hier als Kategorie angegeben. Aber dieses Feature möchte ich doch schon gerne empfehlen, eben weil die Reportage mich sehr berührt hat.

Das Feature über Doping im Fußball von Lorenz Rollhäuser beschreibt sehr sorgfältig und gewissenhaft die Zusammenhänge über erwiesenes und mutmaßliches Doping in diesem Spitzensport. Zuerst zieht es die Verbindung vom spanischen Doping-Arzt, der nach den Radfahrern mehr und mehr Fußball-Profis betreut. Schließlich erklärt es die durch diesen Gesundheitsmissbrauch entstehenden Krankheiten, welche die Sportler lebenslang schädigen, ihre Lebenszeit verkürzen oder sogar schon während ihrer Karriere ihnen den Tod bringen.

Ich habe dazu das in dem Feature genannte Video rausgesucht, wo sich ein italienischer Fußballstar vor laufender Kamera mit einem Grinsen im Gesicht das schädliche Aufputschmittel nimmt (ab der zweiten Minute):

Bisher wurde über das Phänomen Doping im Fußball nur äußerst selten berichtet. Lorenz Rollhäuser begründet das damit, dass die Dopingkontrollen einfach zu wenig sind und aus Geldnot manch unerlaubte Mittel gar nicht erst getestet werden.

Zum Schluss erklärt das Feature, warum Doping in diesem so wie auch in jedem anderen Sport existiert: weil die Öffentlichkeit Siege sehen möchte (wie schon bei den mutmaßlich gedopten deutschen Spielern in Bern 1954). Weil es ein Wettbewerb ist, in dem es viel Geld der Sponsoren zu verteilen gilt (aktuell mehrere Milliarden Euro). Und weil Zuschauer gegenüber dem Geschehen weit weg vom Platz noch nicht kritisch genug sind.

Fußball hat ein Dopingproblem. Aber die Fußballwelt will nichts davon wissen. Wollte noch nie etwas davon wissen. Fußball ist Technik, heißt es da, und Doping verbessert nun mal keine Technik. Vergessen wird, dass Fußball auch Kraft und Ausdauer ist. Und dabei hilft Doping sehr gut. Genau wie bei der Regeneration. Die Meldungen mehren sich zu Fällen, in denen Doping vermutet wird. Vermutet. Und auch nachgewiesen.

Bluttransfusionen, Steroide und Kokain sollen verbreitet sein, einige Ampullen Epo oder Cera Wunder wirken. Länger, schneller, weiter. Genau das wollen wir sehen. Nach enormen Verletzungen sind die Spieler erstaunlich schnell wieder auf dem Rasen. Juventus war nur der Anfang, andere Vereine folgen, auch wenn die FIFA davon nichts wissen will und die Profisportler schweigen.

Exakte Dopingpläne

Es gibt vielerlei Hinweise auf systematisches Doping im Fußball, angefangen von der WM 1954 („Stärkungsspritzen“ für die deutsche Mannschaft) über Toni Schumachers offenherzige Bemerkungen zu Doping während der WM 1986 in Mexiko („Hormönchen“ für die Höhenanpassung) bis zu den Prozessen gegen die Ärzte von Juventus Turin (die nur wegen Verjährung straffrei davonkamen) oder den exakten Dopingplänen des Eufemiano Fuentes für die wichtigsten spanischen Fußballvereine, von denen der Sportchef von Le Monde schrieb. Eine Beschuldigung, gegen die der FC Barcelona und Real Madrid gerichtlich vorgegangen sind; Le Monde wurde in erster Instanz zu jeweils 300.000 Euro Schadensersatz verurteilt.

FIFA stellt sich taub

Je mehr sich Erfolg in Profit umrechnen lässt, desto größer der Druck auf die Spieler. Und angesichts lascher Kontrollen ist die Verführung, zu unerlaubten Mitteln zu greifen, umso größer. Die FIFA stellt sich derweil weiterhin taub und dumm, lässt die eine oder andere Kontrolle mehr zu, will aber vom Thema Doping eigentlich nichts wissen.

Zuschauer sind das Hauptproblem

So sehen wir weiter zu, wie sich die Zahl der gelaufenen Kilometer pro Spiel erhöht, wie schmale Gestalten innerhalb von zwei Jahren zu Schränken werden und haben unsere Freude daran, dass das Spiel so wahnsinnig schnell geworden ist. Und das ist das Hauptproblem: Wir Zuschauer sind diejenigen, die eine Spielweise verlangen, die ohne Hilfsmittel nicht möglich ist.

Redaktion: Ulrike Toma
Produktion: NDR 2010

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