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ein Christoph Schlingensief-, ein SPAM- und ein queer-Hörspiel morgen im Radio

by - 23. August 2010

Wie ich grad durch hoerspieltipps.net erfahren habe, sendet morgen der WDR das Hörspiel „Rocky Dutschke ’68“ von Christoph Schlingensief (Link mit Hörprobe). Bei mir hat die Hörprobe Interesse geweckt und so suchte ich, ob es nicht das Hörspiel irgendwo als Download gibt. Und tatsächlich, auf Schlingensiefs Homepage gibt es das und einige andere Sachen (unter Audio Archiv). Allerdings ist die Soundqualität von dem Download unterirdisch und verzerrt, weshalb sich wohl eine Aufnahme morgen im Radio lohnt.

Luckenwalde, mitten in den 90ern und wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit: Schulfeier. Lehrerfeier. ’68er-Feier. Gedenken an Rudi Dutschke: „Sein revolutionärer Kampf begann 17jährig in Luckenwalde und endete tragisch 39jährig im Exil“ – und ganz und gar und endgültig mit dieser akustischen Abrechnung. Aufstand gegen die ewig Gerechten und politisch Korrekten. 68-er-Treffen im Hörspielstudio. „Live geschaltet aus drei Studios“ hören wir: 12 Redakteure, ausgewählt in einem Preisausschreiben: Wolf Biermann, Margret Kleinert, die Redakteurin für „Gedenken ohne Schmerzen“, schließlich sogar Heiner Müller. Man spricht über Hobbies, Arbeit – und Rudi Dutschke. Auftakt zum Generalangriff auf die Generation der ’68er. Ein Aufstand gegen die ewig richtig Gerechten und politisch Korrekten. In einer furiosen Collage zertrümmert Christoph Schlingensief Bilder und Formeln einer überständigen Epoche; er zerstört die Illusion der „Verarbeitung“ von Geschichte in monströsen Mischungen und emotionsgeladenen Improvisationen. Das Hörspiel, entstanden nach einer Bühnenfassung für die Volksbühne Berlin, wurde von der Akademie der Darstellenden Künste ausgezeichnet als „Hörspiel des Monats“ im Januar 1997.

Desweiteren sendet morgen der SWR ein Hörspiel mit dem lesenswerten Titel This is your penis: 8–0 And this is your penis on drugs: 8=====0. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als ein Kunstprojekt eines Studierenden, welcher SPAM-Mails vorliest:

Kaum einer schenkt ihnen Beachtung, viele bekommen sie noch nicht einmal zu Gesicht, obwohl sie den größten Teil unseres E-Mail-Verkehrs ausmachen: Spam-Mails. Jan Frederik Vogt hat sie über drei Monate gesammelt und vertont. Hören Sie sich durch Ihren Spam-Ordner und entdecken Sie ungeahnte Aspekte unserer Gesellschaft…

Hörspiel von Jan Frederik Vogt, geboren 1983 in Braunschweig, ist Musiker, Autor, Regisseur, Tontechniker und Web-Designer. Seit 2005 studiert er Mediengestaltung an der Bauhaus Universität Weimar.

Und schließlich läuft noch ein Hörspiel morgen im WDR, das Transsexualität Geschlechterproblematik im 17. Jahrhundert anhand einer spannenden, tatsächlichen Geschichte behandelt. Das Hörspiel „Kreuz und queer. Das kurze und abenteuerliche Leben der Prophetin und lesbischen Soldatin Anastasius Lagrantinus Rosenstengel“ berichtet anhand von Gerichtsakten, wie eine Frau sich als Mann verkleidete und jahrelang damit Erfolg im Militär und bei Frauen hatte.

Catharina Linck (1687-1721) ließ sich bei einer radikalpietistischen Sekte auf den schönen Namen Anastasius Lagrantinus Rosenstengel taufen und heuerte in Männerkleidern als Musketier an. Als Soldat für die eine oder andere Seite verführte sie mit einem selbstgemachten Lederpenis hübsche Frauen. Wurde es gefährlich, desertierte sie. Sie heiratete ein Fräulein Mühlhan, schnorrte sich bei Priestern durch und wechselte öfter das Glaubensbekenntnis. Ihre Schwiegermutter schöpfte schließlich Verdacht und verriet sie an die Inquisition. Unter dem Galgen musste sie ihr wahres Geschlecht offenbaren.
Die authentischen Gerichtsakten und Berichte führen zurück ins 18. Jahrhundert, wo eine wahrhaft abenteuerliche Frau um ihr Leben kämpft.

Hörspiel von Lorenz Schröter, geboren 1960, schrieb zahlreiche Romane und Hörspiele, von denen „Kreuz und queer“ das zweite über das 18. Jahrhundert ist. Einst radelte er um die Welt und ritt auf einem Esel durch Deutschland.

Regie: Nikolai von Koslowski
Produktion: WDR 2010/ca. 54’

Mit Katja Bürkle, Felix von Manteuffel, Matthias Matschke, Peter Kurth, Karina Plachetka
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One Comment
  1. Der Text über Catharina Linck ist an Widersprüchlichkeit und schlechter Recherche kaum zu überbieten. Entweder geht es hier um einen Mann, dem ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde (dann können Sie als schlecht informierte mit einem antiquierten Geschlechterbild meinetwegen von „Transsexualität“ schreiben), oder es geht eben um eine Frau, die gezwungen war, sich als Mann auszugeben.

    Aber beides in einen Topf zu schmeissen ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ein Mann mit einem untypischen Körper (den die verblendete Masse als „transsexuell“ bezeichnen würde) ist keine Frau, die sich „als Mann verkleidet“. Und queer sein ist dann nochmal etwas drittes, was mit beidem nichts zu tun hat. Bitte mal recherchieren statt unsinnige Vorurteile zu reproduzieren.

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